Die Finanzkrise hat insbesondere Unternehmen stark in Mitleidenschaft gezogen – umso erstaunlicher fast schon, dass Privatpersonen dagegen ihr Geld zusammenhalten konnten. Wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in einer Umfrage herausfand, nahm die
Höhe der Verschuldung im privaten Bereich während der Finanzkrise nicht zu. Ohne Zusatzschulden seien die Verbraucher durch die Krise gekommen, so das Institut.
Nur Abwrackprämie förderte Kredit-Nachfrage
Dorothea Schäfer, Forschungsdirektorin Finanzmärkte, sagte gegenüber Welt Online, die Haushalte in Deutschland seien darum bemüht, ihre Finanzsituation stabil zu halten und liquide zu bleiben. Lediglich die
Abwrackprämie habe bei Verbrauchern zu zusätzlichen Krediten geführt: Der
staatlich geförderte Autokauf hat etliche Deutsche dazu veranlasst, ihr altes Fahrzeug gegen ein neues einzulösen.
Nicht mehr Kredite trotz niedriger Zinsen

Überraschend ist das Umfrageergebnis auch im Hinblick auf die Konditionen: Die Zinsen sind so niedrig wie schon seit Jahren nicht mehr, und während der Finanzkrise stark gefallen. Dennoch hat dies die Haushalte nicht dazu veranlasst, neue Schulden aufzunehmen. Vielmehr waren 2009 sogar weit weniger Haushalte, nämlich 18 Prozent, mit Verbraucherkrediten und
Immobilienkredit belastet. Während der Dotcom-Krise im Jahr 2000 waren es noch etwa 20 Prozent gewesen. „Die Haushalte scheinen daraus gelernt zu haben“, so Dorothea Schäfer. Zum damaligen Zeitpunkt löste die Finanzkrise im privaten Bereich noch
stärkere Effekte aus, was unter anderem auch auf die vielen durch Kredit finanzierten Wertpapiergeschäfte zurückzuführen ist. Seit rund zehn Jahren geht der Trend auf dem Finanzmarkt nunmehr zu geringeren Schulden bei Verbrauchern – und auch die Finanzkrise scheint diese Entwicklung nicht durchbrochen zu haben.